Neu Entdeckt - Malediva
Manchmal ist es ein echter Glücksfall wenn im Kino nichts gescheites läuft und alle Kollegen schon was vorhaben. Dann macht man nämlich Dinge, die man sonst nicht sooft tut. Man geht beispielsweise mal wieder ins Theater. Allerdings nicht in eines der grossen Häuser, die schon seit Wochen ausgebucht sind und für teures Geld irgendwelche bescheuerten Adaptionen klassischer Werke zeigen. Nein, in diesem Fall lässt man sich besser auf das Experiment „kleine Bühne“ ein. Was bisweilen etwas irritierend enden kann, doch immer erlebnisreich ist und Gesprächsstoff für viele kommende Abende liefert. Das Miller’s Studio kommt da gerade recht. Grundsätzlich nicht so überlaufen, bietet es meist ein nicht allzu krasses Programm und Parkplätze in der Nähe, so dass kein Powerwalking in Stöckelschuhen durchs Schneegestöber praktiziert werden muss. Malediva tönt gut - Heimatmelodie und Chanson - nun denn.... Aber die Crew ist so sensationell gut geschminkt, dass sich der Abend nur schon optisch lohnen könnte. Tut er dann auch. Doch was die beiden androgynen Wesen auf der Bühne von sich geben ist nicht nur optisch, sondern auch akustisch und vor allem intellektuell eine Wohltat. So erzählen die beiden "Freundinnen" singend und sprechend von ihrer Jugend in den 80er Jahren auf dem Lande. In messerscharfen Texten werden sämtliche geschmacklichen Ausrutscher der letzten 20 Jahre aufs Korn genommen, beginnend mit Nena Kerners schnoddriger Art bis hin zum allseits grassierenden Brasiljazz. Dabei nehmen die beiden sich selber nicht allzu ernst und bauen allfällige krankheitsbedingten Unpässlichkeiten gleich mit ins Programm ein. Nur schade, dass es dieses Mal nur zwei Aufführungen von Maldediva gegeben hat. Dem vollen Miller's Studio nach zu schliessen würde ich jetzt aber mal orakeln, dass Malediva nicht zum letzten Mal in Zürich gewesen ist... Spielplan Malediva Spielplan Miller's Studio
